Sjögren Syndrom

Sjögren-Syndrom

Die hier angebotenen Inhalte dienen ausschliesslich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen Diagnosemethoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Der Text ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und darf nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose oder den Beginn, die Änderung oder Beendigung einer Behandlung verwendet werden. Suchen Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt Ihres Vertrauens auf.

Das Sjögren-Syndrom ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die körpereigenen Speichel- und Tränendrüsen angreift. Es zählt zur Gruppe der Kollagenosen, einer Familie von systemischen Autoimmunerkrankungen, zu der auch Erkrankungen wie der systemische Lupus erythematodes (SLE) zählen. Charakteristische erste Symptome für das Sjögren-Syndrom sind die ausgeprägte Trockenheit der Augen und des Mundes sowie der Zunge. In vielen Fällen treten zusätzlich systemische Beschwerden auf, wie etwa Darmbeschwerden, Hautveränderungen oder die Beteiligung des Nervensystems. Die Erkrankung betrifft überwiegend Frauen und erfordert eine interdisziplinäre Diagnostik und Therapie, um die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten, wobei die Lebenserwartung der Betroffenen in der Regel nicht verkürzt ist.

Was ist das Sjögren-Syndrom?

Bei dem Sjögren-Syndrom handelt es sich um eine chronische Autoimmunerkrankung, wobei das Immunsystem körpereigene Strukturen, insbesondere die speichel- und tränenproduzierenden Drüsen angreift. Sobald das Immunsystem diese Drüsen irrtümlich als  Krankheitserreger identifiziert, kommt es zu einer fehlgeleiteten Immunantwort, bei der autoreaktive Lymphozyten in das Drüsengewebe strömen und diese angreifen. Folglich kommt es zu einer fortschreitenden Entzündung und Funktionsstörung der Drüsen. Betroffen sind vor allem Speichel- und Tränendrüsen, weshalb es im Rahmen der Entzündung zu einer verminderten Produktion von Speichel und Tränenflüssigkeit kommt. Typische erste Symptome äussern sich durch eine ausgeprägte Mundtrockenheit und trockene Augen, die sich wie ein ständiges Gefühl von „Sand in den Augen“ anfühlen. Des Weiteren können auch Schwierigkeiten beim Schlucken auftreten, was unter anderem auf eine trockene Zunge zurückzuführen ist.

Das Sjögren-Syndrom kann primär als eigenständige Erkrankung oder sekundär in Verbindung mit anderen Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder dem systemischen Lupus erythematodes auftreten. Mit einer Prävalenz von etwa 1:200 in der Bevölkerung zählt es zu den häufigeren Kollagenosen, wobei vor allem Frauen ab dem 50. bis zum 70. Lebensjahr betroffen sind.

Aufgrund des systemischen Charakters kann das Sjögren-Syndrom auch andere Organsysteme betreffen, darunter Gelenke, periphere Nerven, oder die Haut, weshalb eine frühzeitige Diagnose und eine interdisziplinäre Behandlung entscheidend sind.

Sjögren-Syndrom Typen

Das Sjögren-Syndrom lässt sich in zwei unterschiedliche Subtypen unterteilen: als primäre, eigenständige Erkrankung oder als sekundäre Form, die in Verbindung mit anderen Autoimmunerkrankungen auftritt. Beide Formen haben denselben grundlegenden Mechanismus, die autoimmunbedingte Zerstörung von Drüsengewebe. Häufig auch mit identischen Erstsymptomen: Mundtrockenheit, eine trockene Zunge und trockene Augen.

Der wichtigste Unterschied bei der sekundären Form ist das gleichzeitige Vorliegen anderer Autoimmunerkrankungen, wie dem systemischen Lupus erythematodes oder der rheumatoiden Arthritis. In diesen Fällen kann das Sjögren-Syndrom mit zusätzlichen systemischen Beschwerden einhergehen, welche sich auf die jeweilige Grunderkrankung zurückführen lassen.

Med. pract. Dana Hreus M.A.

Es ist wichtig, dass jeder Patient, der alternative oder komplementäre Therapien in Erwägung zieht, dies mit einem ganzheitlichen Arzt bespricht. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass die Ansätze wirksam und zielführend eingesetzt werden können.

Med. pract. Dana Hreus M.A.

Sjögren-Syndrom Symptome

Die Symptome des Sjögren-Syndroms zeigen eine hohe Variabilität, sowohl in ihrer Anzahl als auch in ihrer Ausprägung. Das bedeutet, dass der Krankheitsverlauf von Person zu Person sehr unterschiedlich sein kann. Bei vielen Betroffenen verläuft die Erkrankung oft schubweise, mit Phasen der Besserung und plötzlichen Verschlechterungen der Beschwerden.

Das Sjögren-Syndrom betrifft primär die Speichel- und Tränendrüsen, kann aber auch weitere Organsysteme angreifen. Ursache dafür ist die Aktivität autoreaktiver Lymphozyten, die sich auch in andere Körperbereiche ausbreiten und dort Entzündungsreaktionen auslösen können.

Die Beschwerden persistieren oftmals lebenslang, können aber durch eine individuell abgestimmte Therapie gut kontrolliert werden. So lässt sich in vielen Fällen eine hohe Lebensqualität aufrechterhalten. Daher ist die Lebenserwartung der Betroffenen in der Regel nicht vermindert und entspricht im Durchschnitt der gesunden Bevölkerung, sofern keine schwerwiegenden Komplikationen auftreten.

Erste Symptome

Die ersten Symptome, die auf ein Sjögren-Syndrom hinweisen können, sind typischerweise eine verminderte Tränensekretion sowie ein anhaltendes Fremdkörpergefühl in den Augen. Hierbei werden die Tränendrüsen vom Immunsystem angegriffen und produzieren nicht mehr ausreichend Tränenflüssigkeit. Dies führt zu einer Störung des Tränenfilms, was sich in Trockenheit, Rötung, Brennen und dem typischen Fremdkörpergefühl äussert. Unbehandelt kann es bei schweren Verlaufsformen auch zu Hornhautschäden kommen.

Ebenfalls sehr häufig ist eine ausgeprägte Zungen- und Mundtrockenheit, welche durch die reduzierte Speichelproduktion bedingt ist und auf einen ähnlichen Pathomechanismus wie bei den Tränendrüsen zurückzuführen ist.

Neurologische Symptome

Das Sjögren-Syndrom kann mit vielfältigen neurologischen Symptomen einhergehen, welche die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen, falls diese unbehandelt bleiben. Diese Manifestationen erscheinen meistens sekundär durch eine Grunderkrankung bedingt, wie bei rheumatoider Arthritis oder dem systemischen Lupus erythematodes, können aber auch bei primärem Sjögren-Syndrom auftreten.

  • Konzentrationsstörungen: Verlangsamte Informationsverarbeitung, verminderte Aufmerksamkeit und ein subjektives „Nebelgefühl“ im Kopf.
  • Schlafstörungen: Ein- und Durchschlafstörungen, sowie nicht erholsamer Schlaf trotz ausreichender Schlafdauer.
  • Fatigue: Eine chronische belastungsunabhängige Erschöpfung, die durch Schlaf nicht gebessert wird.
  • Schwindelgefühl: Einige Betroffene erleben Drehschwindel, gelegentlich auch eine Beeinträchtigung des Gleichgewichts.

Mund- und Zungenbereich

Die auffällige Symptomatik im Mund- und Zungenbereich ist charakteristisch für das Sjögren-Syndrom, welche auf der autoimmunbedingten Zerstörung der Speicheldrüsen und Schleimhautveränderungen basiert. Diese Symptome treten oft im Zusammenhang mit einer Augentrockenheit als erstes bei dem Sjögren-Syndrom auf und sollten bei persistierendem Bestehen genauer abgeklärt werden. Die reduzierte Speichelsekretion kann zu einer Vielzahl unangenehmer Folgeerscheinungen führen, da der Speichel eine zentrale Rolle bei der Mundgesundheit spielt: Er dient der Befeuchtung, der mechanischen Reinigung, unterstützt die Verdauung, durch die im Speichel enthaltene Antikörper und Enzyme.

  • Mundtrockenheit: Aufgrund der autoimmunbedingten Zerstörung der Speicheldrüsen wird weniger Speichel produziert.
  • Mundgeruch: Durch die verringerte Speichelsekretion, können sich bestimmte Bakterien im Mundraum besser verbreiten, welche normalerweise von den im Speichel enthaltenen Enzymen gespalten werden. Diese Bakterien produzieren Gase, welche dann als Mundgeruch wahrgenommen werden.
  • Gerötete, ausgetrocknete Zunge: Die Zunge kann aufgrund der fehlenden Befeuchtung und Reinigungsfunktion austrocknen. In schweren Fällen kommt es auch zu Fissuren, was als kleine Risse auf der Zunge zu sehen ist.
  • Zähne: Karies entwickelt sich viel schneller, denn es gibt nicht genügend Speichel, um die Zähne adäquat vor Karies zu schützen. Speichel besitzt kariesprotektive Funktionen wie die mechanische Reinigung der Zähne durch Spülung und antimikrobielle Eigenschaften durch Enzyme und Antikörper, weswegen es bei mangelndem Speichel zu Karies kommt.

Hautveränderungen

Das Sjögren-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise gegen körpereigene Organe, insbesondere Drüsen, gerichtet wird. Das betrifft auch die Schweiss- und Talgdrüsen in der Haut, was dann zu Hautveränderungen führt.

Die von den Talgdrüsen produzierte Talgschicht dient normalerweise als natürlicher Schutzfilm, der die Haut vor Austrocknung und dem Eindringen von Keimen schützt. Bei fehlendem Talg kommt es zu einem schnellen Wasserverlust, die Haut trocknet aus und es entstehen Risse, weswegen sich auch das Infektionsrisiko erhöht. Schweiss spielt eine zentrale Rolle bei der Wärmeregulation, indem durch Verdunstungskälte der Körper vor Überhitzung geschützt wird.

  • Trockene Haut: Die vom Sjögren-Syndrom angegriffenen Talgdrüsen produzieren weniger Talg. Die fettige Schicht, welche die Haut vor Austrocknung schützt, kann nicht mehr aufrechterhalten werden und die Haut trocknet aus.
  • Hautausschlag: Die Kombination aus Fettschutzmangel und verminderter Schweisssekretion kann zu einer gereizten, geröteten Haut führen.
  • Schwitzen: Schweissdrüsen werden vom Immunsystem angegriffen, wodurch die Schweissproduktion deutlich reduziert ist. Es besteht eine Überhitzungsgefahr, vor allem bei Hitze oder körperlicher Anstrengung.

Darmprobleme

Darmprobleme entstehen bei dem Sjögren-Syndrom als Folge der autoimmunen Entzündungsprozesse, die sich auch auf innere Organe und Verdauungsdrüsen ausweiten können. Betroffenes Drüsengewebe kann dadurch weniger Sekret produzieren. Die angegriffenen Speicheldrüsen produzieren weniger Speichel, was die Vorverdauung der Nahrung im Mund erheblich einschränkt. Gleichzeitig kann auch die Bauchspeicheldrüse betroffen sein. Bei verminderter Sekretion von Verdauungsenzymen wird die Aufspaltung von Nahrungsbestandteile gestört, die Folge ist eine unzureichende Verdauung mit entsprechender Mehrbelastung des Darms.

Reflux

Geringe Speichelproduktion begünstigt gastroösophagealen Reflux, da die Magensäure nicht in ausreichendem Masse von dem Speichel neutralisiert werden kann. Zusätzlich führt die lymphozytäre Infiltration der Speiseröhre zu erhöhter Schleimhautempfindlichkeit.

Durchfall

Beim Sjögren-Syndrom schädigen autoimmune Entzündungsprozesse die Bauchspeicheldrüse und das führt zu einer unzureichenden Produktion von Verdauungsenzymen. Dies beeinträchtigt die Nahrungsverdauung, sodass unverdaute Nahrungsbestandteile den Stuhlgang beschleunigen.

Blähungen

Wenn Nahrungsbestandteile unverdaut in den Dickdarm gelangen, werden sie dort von Darmbakterien fermentiert. Dies führt zur Gasbildung im Darm, was als Völlegefühl wahrgenommen wird.

Sonstige Symptomatik

Neben den typischen Symptomen, wie den trockenen Augen und Mund, die auf den Autoimmunangriff gegen exokrine Drüsen zurückzuführen ist, können auch weitere Körperbereiche betroffen sein. Bei vielen Patienten weitet sich die Autoimmunreaktion beim Sjögren-Syndrom zusätzlich auf Gelenke, Muskeln und das lymphatische System aus.

  • Gelenkschmerzen: Autoimmunbedingte Entzündungsprozesse greifen die Gelenkhaut an, wodurch es zu Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen führen kann.
  • Muskelschmerzen: Durch die Überaktivierung des Immunsystems können sich auch Muskelfasern entzünden, was zu diffusen Muskelschmerzen führt.
  • Vergrösserte Speicheldrüsen: Die Entzündung der Speicheldrüsen führt zu einer sichtbaren Schwellung. Ursache ist die Einlagerung von Flüssigkeit und die Aktivität von Entzündungsbotenstoffen, die durch die fehlgeleiteten Immunzellen freigesetzt werden.
  • Vergrösserte Lymphknoten: Eine anhaltende, schmerzlose Lymphknotenschwellung entsteht infolge der chronischen Entzündungsprozesse. Wichtig: Beim Sjögren-Syndrom besteht ein leicht erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Non-Hodgkin-Lymphoms. Anhaltend geschwollene Lymphknoten sollten daher ärztlich abgeklärt werden.

Sjögren-Syndrom Ursachen / Risikofaktoren

Die genaue Ursache für das Sjögren-Syndrom ist trotz intensiver Forschung nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass ein Zusammenspiel genetischer, immunologischer und umweltbedingter Faktoren zur Krankheitsentstehung beiträgt.

Virale oder bakterielle Infektionen

Bestimmte Krankheitserreger wurden mit der Krankheitsentstehung in Verbindung gebracht. Die Infektion könnte bei genetisch prädisponierten Personen eine fehlgeleitete Immunantwort hervorrufen, bei der das Immunsystem körpereigenes exokrines Drüsengewebe, wie die Speichel- und Tränendrüsen, angreift.

Genetische Prädisposition

Ist ein möglicher Risikofaktor und Auslöser, Familienmitglieder von Sjögren-Syndrom Patienten haben ein höheres Erkrankungsrisiko. Bestimmte Genvarianten scheinen das Erkrankungsrisiko zu erhöhen, und es gibt Hinweise auf eine erbliche Komponente der Immunregulation.

Alter als Risikofaktor

Die Erkrankung manifestiert sich typischerweise zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr und gilt als signifikanter Risikofaktor für das Sjögren-Syndrom. Der Alterspezifische Umbau des Immunsystems könnte hierbei für eine Dysregulation der Immunantwort sorgen und somit der Auslöser sein.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Frauen sind deutlich häufiger vom Sjögren-Syndrom betroffen als Männer, im Verhältnis 9:1. Der mögliche Zusammenhang kann durch die Modulation des Immunsystems durch Hormone, insbesondere die Sexualhormone wie Östrogen, erklärt werden.

Vorhandene Immunerkrankung

Das Sjögren-Syndrom tritt häufig im Zusammenhang mit anderen Autoimmunerkrankungen auf, was dann als sekundäres Sjögren-Syndrom klassifiziert wird. Besonders häufig ist die Assoziation mit rheumatoider Arthritis (RA) sowie mit dem systemischen Lupus erythematodes (SLE). Diese Immunerkrankungen teilen immunologische Gemeinsamkeiten, darunter die Bildung von Autoantikörpern und chronisch-entzündlichen Prozessen, welche dann zur Ausbildung von dem Sjögren-Syndrom führen könnten.

Sjögren-Syndrom Diagnostik

Aufgrund der oftmals unspezifischen Symptomatik, wie trockenen Augen und Mund, Müdigkeit oder Gelenkbeschwerden, stellt die Diagnose des Sjögren-Syndroms eine besondere Herausforderung dar. Bislang gibt es noch keine gezielte, zuverlässige Untersuchung, welche die Diagnose eindeutig sichern kann. Daher ist die Diagnose eines Sjögren-Syndroms oft multimodal, sie erfolgt also durch eine Kombination verschiedener klinischer, laborchemischer und histologischer Verfahren. Um die Lebensqualität zu verbessern und auch mögliche systemische Komplikationen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, ist eine frühzeitige und korrekte Diagnosestellung entscheidend.

Gewebeentnahme

Der Nachweis von lymphozytären Infiltraten stellt ein starkes Indiz für das Sjögren-Syndrom dar. Es wird mithilfe einer Lippenbiopsie durchgeführt. Die Lippenbiopsie ist eine Gewebeentnahme aus der Innenseite der Unterlippe, wo sich kleine Speicheldrüsen befinden.

Histologische Verfahren

Histologisch zeigt sich bei Sjögren-Syndrom Patienten eine Ansammlung von Immunzellen, was auf eine Entzündung der Speicheldrüsen hindeutet.

Labordiagnostik

Bei der Labordiagnostik wird gezielt nach Autoantikörpern gesucht die von diagnostischer Bedeutung sind, wie die Anti-Ro/ssA- und Anti-La/ssB-Antikörper, die bei den meisten Betroffenen vorhanden sind. Des Weiteren gibt es noch andere, weniger spezifische Laborbefunde, die auf die Erkrankung hindeuten könnten. Dazu gehören ANA-Titer, rheumatoide Faktoren, erhöhte Entzündungsparameter sowie Zeichen einer sekretorischen Drüseninsuffizienz.

Weitere Diagnostik

Der Zustand des Tränenfilms, sowie mögliche Hornhautdefekte könnten auf die Erkrankung hindeuten, sind mit blossem Auge aber nicht zu beurteilen. Um diese sichtbar zu machen, wird augenärztliche Diagnostik angewendet: Die Spaltlampenuntersuchung mit Fluorescein Färbung, welche es nun ermöglicht eine präzise Aussage über den Zustand des Tränenfilms sowie mögliche Hornhautdefekte zu machen.

Diagnosestellung

Die Diagnosestellung wird primär an den Klassifikationskriterien des American College of Rheumatology (ACR) / European League Against Rheumatism (EULAR) festgelegt. Die wichtigsten Indikatoren sind positive Anti-Ro-Antikörper, positive Lippenbiopsie, verminderter Tränen- oder Speichelfluss, sowie andere pathologische Befunde, die zum Sjörgen-Syndrom passen.

Sjögren-Syndrom Lebenserwartung und Prognose

Patienten mit einem Sjögren-Syndrom haben in der Regel eine normale Lebenserwartung. Nur in seltenen Fällen, bei denen andere Organe wie die Lunge, Niere oder das zentrale Nervensystem stark betroffen sind, könnte die Lebenserwartung beeinträchtogt sein. Regelmässige ärztliche Kontrollen sind daher grundlegend, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Obwohl das Sjögren-Syndrom in der Regel nicht tödlich verläuft, handelt es sich um eine lebenslange persistierende Erkrankung, die insbesondere durch die anhaltende Trockenheit der Schleimhäute, chronischer Erschöpfung und Gelenkbeschwerden eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität verursachen kann. Viele Betroffene berichten von stark beeinträchtigtem Wohlbefinden im Alltag, wenn die Symptomatik sich verschlimmert, denn die Erkrankung weist einen schubartigen Verlauf auf. Symptome können plötzlich auftreten und dann genauso schnell wieder verschwinden. Die Schübe sind nur sehr bedingt vorhersehbar, mögliche Trigger für einen Schub sind Stress, Infektionen oder hormonelle Veränderungen. Diese Unvorhersehbarkeit trägt zudem zur psychischen Belastung der Betroffenen bei. Das Sjögren-Syndrom kann im sozialrechtlichen Sinne auch als Behinderung anerkannt werden, jedoch hängt es von der Schwere der Symptome, der Beteiligung innerer Organe, der Dauer und Häufigkeit von Krankheitsschüben sowie der Einschränkung im Alltag ab.

Sjögren-Syndrom Behandlung

Bislang gibt es keine direkte Therapie, die die Autoimmunreaktion dauerhaft stoppen könnte. Daher zielt die Behandlung des Sjögren-Syndroms in erster Linie auf die Linderung der Symptome ab. Hierbei kommen sowohl konventionelle medizinische Verfahren als auch alternative und komplementäre Heilmethoden zum Einsatz. Welche Therapieform im individuellen Fall geeignet ist, hängt von der Schwere der Beschwerden, der Organbeteiligung und den persönlichen Präferenzen der Patienten ab. Bei gut angepasster Therapie ist es möglich, die Lebensqualität der Patienten langfristig zu stabilisieren.

Konventionelle Behandlung:

Die konventionelle Therapie des Sjögren-Syndroms verläuft in erster Linie medikamentös und richtet sich individuell nach der vorliegenden Symptomatik. Ziel ist stets die Besserung der Beschwerden und die Erhaltung der Lebensqualität.

  • Zur Linderung der Trockenheit werden Tränenersatzmittel und Speichelersatzstoffe verwendet.
  • Wenn entzündliche Beschwerden wie Gelenkschmerzen bestehen, kommen nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder immunsuppressive Medikamente zum Einsatz.
  • Bei begleitendem Reflux können Medikamente wie Pantoprazol zur Anwendung kommen.
  • Zusätzlich werden auch Schmerzmittel bei Bedarf eingesetzt.

Alternative und Komplementäre Heilmethoden:

Viele Betroffene des Sjögren-Syndroms greifen ergänzend auf alternative und komplementäre Heilmethoden zurück, um ihre Beschwerden ganzheitlich zu lindern und das Immunsystem zu unterstützen. Patienten berichten von einer spürbaren Verbesserung des Wohlbefindens, insbesondere in Bezug auf Beschwerden wie Trockenheit, Entzündungen und Erschöpfung.

Entzündungshemmende Ernährung und Lebensstil

Eine ausgewogene Ernährung mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren, frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten sowie pflanzlichen Ölen kann entzündungshemmend wirken. Auch ausreichend zu trinken und gelegentlich Kaugummi zu kauen, was die Speichelbildung fördert, trägt dazu bei, die Schleimhäute feucht zu halten. Gleichzeitig ist es empfehlenswert, den Konsum von Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln möglichst zu vermeiden. Auch Alkohol und Tabakkonsum sollten reduziert werden, um die Gesundheit zusätzlich zu unterstützen.

Vitamin-E

Bei Beschwerden über einen trockenen Mund- und Lippenbereich werden häufig Vitamin-E-haltige Gele oder Ölen empfohlen, da sie die Schleimhäute geschmeidig halten und kleine Risse lindern können. Zusätzlich können auch andere befeuchtende Cremes und Nasensalben zur Hautpflege eingesetzt werden.

Vitamin-D

Insbesondere bei Patienten mit nachgewiesenem Vitamin D Mangel, führt die Einnahme von diesem Vitamin zur Stabilisierung des Immunsystems.

Natürliche Heilmittel

Kurkuma, Ingwer, Kamille oder Zimt werden in der Naturheilkunde häufig ergänzend eingesetzt, denn bei diesen natürlichen Heilmitteln wurden Entzündungshemmende Wirkungen nachgewiesen. Hierbei sollte aber unbedingt auf mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten geachtet werden.

Stressreduktion

Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung, Yoga, Achtsamkeitstraining oder autogenes Training tragen zur psychischen Stabilisierung bei. Da Stress als möglicher Schubauslöser gilt, können solche Methoden einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben.

Akupunktur

Die Akupunktur ist ein zentraler Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und wird seit Jahrhunderten zur Behandlung verschiedenster gesundheitlicher Beschwerden genutzt. Besonders bei Schmerzen, innerer Unruhe, Schlafstörungen oder Problemen mit der Verdauung kann sie eine wertvolle unterstützende Maßnahme sein.

Darmsanierung

Eine Darmsanierung ist eine therapeutische Vorgehensweise zur Unterstützung der Darmgesundheit, bei der das Gleichgewicht der Darmmikrobiota gezielt wieder gestärkt und normalisiert werden soll. In Kombination mit Unterstützung der Darmflora mit Probiotika können diese Massnahmen die Verdauungsbeschwerden lindern sowie einen positiven Einfluss auf das Immunsystem haben.

INUSpherese und Infusionstherapie

Bei einem besonders schwerwiegenden Krankheitsverlauf, kann eine INUSpharese, welches ein Verfahren zur Blutreinigung ist, und eine infusionsgestützte Mikronährstofftherapie in Erwägung gezogen werden. Dies kann aber nur in enger Abstimmung mit Fachärzten in spezifischen Kliniken durchgeführt werden, und kommt in der Regel nur bei therapieresistenten Krankheitsverläufen in Frage.

Neuigkeiten Sjögren-Syndrom:

Das Sjögren Syndrom wird weiterhin intensiv erforscht, auch wenn die Erkrankung im Vergleich zu anderen Autoimmunerkrankungen, wie dem systemischen Lupus erythematodes oder rheumatoider Arthritis, nach wie vor weniger im Fokus steht. Dennoch gibt es beachtliche Fortschritte in den Bereichen Diagnostik, Therapieforschung und Patientenunterstützung.

  • Diagnostik: Es werden aktiv neue sensitive Biomarker gesucht, welche eine frühere und weniger invasive Diagnostik ermöglichen sollen.
  • Therapieforschung: Die Forschung Richtung Therapie erhofft zielgerichtet in den Autoimmunprozess einzugreifen, um nur das Sjögren-Syndrom zu unterdrücken, ohne dabei das ganze Immunsystem zu beeinträchtigen, wie es bei einer Therapie mit klassischen immunsuppressiven Medikamente der Fall wäre.
  • Patientenunterstützung: Um die Patienten bestmöglich zu unterstützen, werden zunehmend digitale Ansätze entwickelt wie Apps, die es den Patienten erleichtern soll ihre Symptome und Therapieansätze zu dokumentieren. Dies würde zu einem besseren Verständnis der Erkrankung führen und veranschaulichen, welcher Therapieansatz am effektivsten die Symptome lindert.

Häufige Fragen zu dem Sjögren-Syndrom

Im Folgenden wollen wir genauer auf Ihre häufigsten Fragen rund um das Thema Sjögren-Syndrom eingehen.

Obwohl die genaue Entstehung der Erkrankung bis heute nicht vollständig geklärt ist, ist bisweilen Folgendes bekannt: Das Sjögren-Syndrom selbst wird nicht direkt vererbt, jedoch besteht eine genetische Veranlagung, welche das Erkrankungsrisiko erhöht. Wenn in einer Familie gehäuft Autoimmunerkrankungen auftreten, kann das auf eine erbliche Immunanfälligkeit hinweisen. Dennoch spielen auch weitere Faktoren: wie Alter, Geschlecht und Umwelteinflüsse eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentstehung.

Ja, das Sjögren-Syndrom gilt in Europa als seltene Erkrankung. Es sind etwa 0.5% der Gesamtbevölkerung vom primären Sjögren-Syndrom betroffen. Wobei hier noch zu beachten ist, dass Frauen deutlich häufiger betroffen sind, das Verhältnis von Frauen zu Männern liegt bei etwa 9:1.

Der Grad der Behinderung (GdB) hängt vom Schweregrad der Symptome und dem Ausmass der Einschränkungen im Alltag ab. Bei einem milden Verlauf liegt der GdB meist bei 10 bis 30, bei mittleren bis schweren Verläufen, wenn andere Organe beteiligt sind und man sehr im Alltag eingeschränkt ist, kann ein GdB von 50 oder mehr anerkannt werden. Die Bewertung erfolgt immer im Rahmen einer individuellen Einzelfallprüfung durch das zuständige Versorgungsamt.

Nein, bisher ist keine Heilung möglich. Das Sjögren-Syndrom ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die ein Leben lang bestehen bleibt. Allerdings lassen sich die Symptome mit einer gezielten Therapie meist gut kontrollieren, sodass viele Betroffene ein weitgehend normales Leben mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung führen können.

Die Lebenserwartung ist in den meisten Fällen nicht verkürzt. Nur bei schweren Verlaufsformen mit systemischer Organbeteiligung oder Komplikationen wie Lymphom-Erkrankungen kann das Risiko leicht erhöht sein. Insgesamt haben die meisten Patienten eine normale Lebenserwartung bei einer gut eingestellten Therapie.

Die Erfahrungsberichte beim Sjögren-Syndrom variieren stark in Abhängigkeit vom Schweregrad der Symptome. Viele Betroffene kommen mit guter therapeutischer Unterstützung gut zurecht und führen ein weitgehend normales Leben. Betroffene ohne gut eingestellte Behandlung hingegen fühlen sich häufig in ihrer Lebensqualität deutlich eingeschränkt, da sie unter anhaltenden Beschwerden wie trockenen Augen, trockenem Mund, chronischer Müdigkeit, Gelenkschmerzen und Konzentrationsstörungen leiden. Einige berichten auch von einer starken psychischen Belastung durch den schubartigen Verlauf der Erkrankung. Die Unvorhersehbarkeit möglicher Verschlechterungen führt bei ihnen zu einem Gefühl ständiger Anspannung und Angst, dass sich die Symptome plötzlich und deutlich verschlimmern könnten.

Ohne Behandlung kann das Sjögren-Syndrom zu dauerhaften Schäden an Augen, Mund und inneren Organen führen. Typische Komplikationen sind Karies, Hornhautschäden, Infektionen, Speiseröhrenentzündungen, aber auch systemische Entzündungen. Auch das Risiko für die Entwicklung eines Non-Hodgkin-Lymphoms ist leicht erhöht, weswegen eine frühzeitige Diagnostik und symptomorientierte Therapie entscheidend zur langfristigen Erhaltung der Lebensqualität sind.

Weiterführende Informationen

Die aufgelisteten Informationen beinhalten relevante Themen und dienen dem besseren Verständnis.