Multiples Myelom

Die hier angebotenen Inhalte dienen ausschliesslich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen Diagnosemethoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Der Text ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und darf nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose oder den Beginn, die Änderung oder Beendigung einer Behandlung verwendet werden. Suchen Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt Ihres Vertrauens auf.

Das Multiple Myelom ist eine bösartige Erkrankung, die das Blutbildende System betrifft und überwiegend im höheren Lebensalter auftritt. Hierbei kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung der Plasmazellen. Sie sind Zellen des Immunsystems und produzieren normalerweise Antikörper. Daher gehört das Multiple Myelom zu den sogenannten monoklonalen Plamazellneoplasien bzw. Plasmazellerkrankungen. Typisch ist, dass ein einzelner entarteter Klon die Kontrolle über die Antikörperproduktion übernimmt und so grosse Mengen an immer gleichen, aber strukturell veränderten Antikörpern oder auch Bruchstücken produziert. Sie werden auch monoklonale Immunglobuline oder Leichtketten genannt.

Unterschieden werden verschiedene Erscheinungsformen. Unter dem Multiplen Myelom versteht man eine generalisierte Erkrankung des Knochenmarks, bei der an mehreren Stellen Herde aus Plasmazellen entstehen. Von einem Plasmozytom hingegen spricht man, wenn zunächst ein umschriebener Tumorherd vorliegt, sie ist eine Sonderform des Multiplen Myeloms. Beide Formen können ineinander übergehen.

Bei dem Multiplen Myelom stehen vor allem die Fehlproduktion von Antikörpern, die Störung des Knochenstoffwechsels und die Verdrängung der normalen Blutbildung im Knochenmark im Vordergrund. Durch die entarteten Plasmazellen werden vermehrt IgG- oder IgA- Antikörper produziert. Sie können nicht zur Immunabwehr dienen, jedoch lagern sie sich im Blut oder Organen ab und schädigen dort die Strukturen. Zudem können die Myelomzellen den Knochenstoffwechsel beeinflussen, was zu osteolytischen Läsionen führt. Hinzu kommt auch, dass die proliferierenden Plasmazellen im Knochenmark die normale Blutbildung zunehmend verdrängen. Somit stehen dem Körper weniger gesunde rote Blutkörperchen, weisse Blutkörperchen und Blutplättchen zur Verfügung.

Prof. Dr. med. Dipl.-Med. Holger Wehner

Die Behandlung des Multiplen Myeloms erfordert ein langfristiges und individuell abgestimmtes Therapiekonzept. Ergänzende Verfahren wie die Hyperthermie können dazu beitragen, den Organismus zu unterstützen und die Lebensqualität während der Behandlung zu fördern.

Multiples Myelom Ursachen & Risikofaktoren

Die Ursachen für die Entstehung eines Multiplen Myeloms lassen sich in den meisten Fällen nicht eindeutig identifizieren. Die entarteten Plasmazellen entwickeln sich über Jahre hinweg, indem sich genetische Veränderungen in einer Zelle ansammeln. Diese betreffen vor allem Gene, die das Wachstum, die Teilung und die Reparatur der Zelle steuern. Wenn diese Kontrollmechanismen aus dem Gleichgewicht geraten, kann sich daraus ein monoklonaler Plasmazellklon entwickeln. Er äussert sich in Form eines MGUS, das „smoldering Myelom“, eine asymptomatische Vorläuferstufe des aktiven Multiplen Myeloms, oder eines manifesten Myeloms. Jedoch ist bis heute noch nicht geklärt, warum es bei manchen Menschen zu diesem Übergang kommt, dennoch gibt es einige Risikofaktoren, die einen Übergang begünstigen können.

Zu den typischen Risikofaktoren gehören:

  • Höheres Lebensalter
  • Männliches Geschlecht
  • Familiäre Belastung bzw. genetische Veranlagung, wie Trisomien oder Translokationen
  • Vorläuferstadien wie das MGUS
  • Ethnische Hintergründe, besonders afroamerikanische Vorfahren
  • Chronische Immunstimulation und Vorerkrankungen
  • Exposition gegenüber bestimmten Chemikalien, wie Pestizide, Produkte der Erdöl-, Erdgas- und Gummiverarbeitung
  • Starke Exposition gegenüber ionisierender Strahlung

Wichtig zu betonen ist jedoch, dass selbst wenn diese Risikofaktoren vorliegen, es nicht unbedingt zu einer Entwicklung eines Multiplen Myeloms kommen muss.  Oftmals lassen sich bei Betroffenen keine konkreten Risikofaktoren nachweisen. Das Multiple Myelom ist also eine multifaktorielle Erkrankung, bei der in der Entstehung Zufall, Alterungsprozesse, genetische Anfälligkeit und äussere Einflüsse zusammenwirken.

Multiples Myelom Symptome

Die Symptome, die bei einem Multiplen Myelom auftreten, sind nicht nur durch den Tumor im Knochenmark selbst bedingt, sondern vor allem durch seine Auswirkungen auf Knochen, Blutbildung, Immunsystem und Organe wie die Nieren. Sie können sehr variabel verlaufen und reichen von asymptomatisch bis zu hochakut. Zu Beginn verläuft die Erkrankung eher schleichend und es treten nur wenige oder unspezifische Symptome, wie eine Infektneigung, Müdigkeit oder diffuse Rückenschmerzen auf. Typisch ist auch, dass diese Beschwerden über die Zeit langsam zunehmen und sich durch andere Ursachen nicht mehr erklären lassen.

Zu den häufigsten Symptomen und Zeichen eines Multiplen Myeloms gehören:

  • Knochenschmerzen
  • Häufige Knochenbrüche
  • Rückenschmerzen
  • Ausgeprägte Müdigkeit und Leistungsknick
  • Blässe, Atemnot bei Belastung, Herzklopfen
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, allgemeines Krankheitsgefühl
  • Zeichen einer Nierenschädigung
  • Neurologische Beschwerden wie Taubheitsgefühle oder Polyneuropathie
  • Vermehrte oder ungewöhnliche Blutungsneigung

Klassische Warnzeichen, auf die besonders Acht gegeben werden sollten, sind besonders neu auftretende oder zunehmende Knochenschmerzen ohne erkennbare Ursache,  Brüche nach leichten Belastungen, eine anhaltende Müdigkeit mit Leistungsknick, häufige oder schwer verlaufende Infekte, ein ungeklärter Gewichtsverlust. Sollten mehrere dieser Zeichen gleichzeitig auftreten, über die Zeit anhalten oder zunehmen, sollte dies unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Je früher ein Multiples Myelom erkannt wird, desto besser sind die Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern und die Erkrankung gezielt zu behandeln.

Multiples Myelom Diagnose

Die Diagnose eines Multiplen Myeloms basiert auf einer Kombination aus klinischer Untersuchung, Laboruntersuchungen wie der Blutuntersuchung, bildgebenden Verfahren und der Biopsie. Oft treten zu Beginn auffällige Laborbefunde auf, wie eine neu aufgetretene Blutarmut, unerklärliche Knochenschmerzen, wiederkehrende Infekte oder veränderte Nierenwerte. Sollte der Verdacht auf eine Plasmazellerkrankung bestehen, richtet sich die weitere Diagnostik gezielt auf den Nachweis von monoklonalen Immunglobulinen, Beurteilung des Knochenmarks und möglicher Organschäden.

Ein erster wichtiger Schritt ist die Blut- und Urinuntersuchung. Hierbei werden vor allem ein komplettes Blutbild, Nieren- und Kalziumwerte, Entzündungsparameter untersucht und zusätzlich eine Serum-Protein-Elektrophorese angefertigt, um monoklonales Eiweiss sichtbar zu machen. Ergänzend können auch freie Leichtketten im Serum bestimmt werden, da die Myelome besonders Leichtketten produzieren. Auch im Urin können diese spezifischen Proteine nachgewiesen werden. All diese Untersuchungen geben Auskunft darüber, ob und in welcher Menge ein monoklonales Immunglobulin produziert wird und ob bereits Organschäden wie Anämie, Nierenfunktionsstörung oder Hyperkalzämie vorliegen.

Ergänzend dazu wird auch eine Knochenmarksuntersuchung angefertigt, um die Diagnose zu sichern. Mittels einer Biopsie wird unter dem Mikroskop eine vermehrte Anzahl von klonalen Plasmazellen nachgewiesen und diese genauer charakterisiert. Diese Bestimmung ist besonders wichtig für die Risikoeinschätzung und die spätere Therapieplanung.

Da das Multiple Myelom besonders die Knochen betrifft, können mittels Bildgebung die osteolytischen Läsionen, Wirbelkörpereinbrüche und andere Knochenveränderungen genauer untersucht werden. In bestimmten Situationen kann auch eine PET-CT sinnvoll sein, um aktive Herde im Skelett und ausserhalb des Knochenmarks nachzuweisen.

Mit all diesen Untersuchungsmethoden kann nicht nur das Vorliegen eines Multiplen Myeloms bestätigt, sondern auch das Manifeste von Vorstufen unterschieden werden.

Multiples Myelom Behandlung & Prognose

Die Behandlung des Multiplen Myeloms hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt. Sie besteht aus einer Kombination verschiedener Therapieansätze. Ziel ist es, die Erkrankung so weit wie möglich zurückzudrängen, Beschwerden zu lindern, Organschäden zu minimieren und die Lebensqualität bestmöglich zu erhalten. Trotz des multimodalen Therapiekonzeptes ist das Multiple Myelom in den meisten Fällen eine chronische, nicht heilbare Erkrankung.

Heutzutage werden vor allem Proteasom-Inhibitoren, Immunmodulatoren, Kortikosteroide, klassische Chemotherapie und im zunehmenden Alter auch  Antikörper- oder CAR-T-Zell-Therapien eingesetzt. Sollten die Patienten noch jünger und belastbar sein, wird in der Regel eine hochdosierte Chemotherapie mit anschliessend folgender autologen Stammzelltransplantation durchgeführt. Ergänzend können auch Bestrahlung bei schmerzhaften Knochenherde und knochenschützende Medikamente, wie Bisphosphonate, eingesetzt werden.

Begleitend zur schulmedizinischen Behandlung können auch komplementäre Ansätze eingesetzt werden, die die Therapie unterstützen und das Wohlbefinden stärken. Ein Ansatz ist die Hyperthermie. Durch gezieltes Erwärmen des Gewebes oder des ganzen Körpers können die Tumorzellen empfindlicher gegenüber der Chemo- oder Strahlentherapie gemacht werden. Hyperthermie kann somit zur Symptomlinderung und Unterstützung der Standardtherapie eingesetzt werden. Weiterführend wird in präklinischen Studien zudem die apoptotische Wirkung der Hyperthermie auf das Multiple Myelom untersucht.

Da das Multiple Myelom vor allem den Knochen betrifft und viele eingesetzte Medikamente zusätzlich den Knochenstoffwechsel beeinflussen, spielen auch Vitamin D und Calcium eine wichtige Rolle. Sie tragen zur Stabilisierung des Knochens bei, insbesondere wenn zusätzlich knochenschützende Medikamente wie Bisphosphonate oder Denosumab gegeben werden. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass ein ausgeglichener Vitamin-D-Spiegel bei peripheren Nervenschmerzen im Rahmen der Therapie unterstützend wirken kann, wie bei beispielsweise therapiebedingten Polyneuropathien.

Auch die Akupunktur wird als komplementärer Ansatz oft in der Onkologie begleitend eingesetzt. Sie kann helfen, Schmerzen, Übelkeit, Schlafstörungen und innere Unruhe zu reduzieren und so den Umgang mit der Erkrankung und den Therapiefolgen erleichtern. Beim Multiplen Myelom kann Akupunktur insbesondere bei chronischen Schmerzen oder neuropathischen Beschwerden dazu beitragen, die Lebensqualität spürbar zu verbessern.

Dr. med. Karsten Ostermann M.A.

Beim Multiplen Myelom sollten neben der Tumorerkrankung auch Knochengesundheit, Immunfunktion und individuelle Belastungen berücksichtigt werden. Ein integrativer Ansatz kann helfen, die Therapie ganzheitlich zu begleiten und das Wohlbefinden nachhaltig zu stärken.

Dr. Karsten Ostermann

Weiterführende Informationen

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