Glioblastom

Die hier angebotenen Inhalte dienen ausschliesslich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen Diagnosemethoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Der Text ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und darf nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose oder den Beginn, die Änderung oder Beendigung einer Behandlung verwendet werden. Suchen Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt Ihres Vertrauens auf.

Das Glioblastom ist der bösartigste und auch gleichzeitig häufigste primäre Hirntumor, der im Erwachsenenalter auftritt. Er gehört zur Gruppe der diffusen Gliome und tritt vorwiegend in der weissen Substanz auf, insbesondere in den Grosshirnhemisphären. Es handelt sich um einen Tumor, der sich im Gehirn fingerförmig in das umgebende Hirngewebe ausbreitet und nicht als abgegrenzter Knoten auftritt. Innerhalb der Gruppe der diffusen Gliome werden unter anderem noch das Astrozytom und das Oligodendrogliom unterschieden. In der aktuellen Leitlinie der WHO wird das Glioblastom als «diffuses Gliom vom adulten Typ, ZNS-WHO-Grad 4» eingeteilt und gilt somit als hochmaligner Hirntumor mit sehr aggressivem Wachstumsmuster und einer damit ungünstigen Prognose. 

Bei dem Glioblastom handelt es sich auf molekularer Ebene in der Regel um einen IDH-wildtyp Tumor. Dies bedeutet, dass keine Mutation im Isocitrat-Dehydrogenase-Gen vorliegt, die besonders bei anderen Tumoren, die eine bessere Prognose haben, nachweisbar ist. Diese Abgrenzung ist wichtig, weil IDH-mutierte diffuse Gliome biologisch anders verlaufen und therapeutisch anders eingeordnet werden. Das Glioblastom entsteht aus neuronalen und glialen Vorläuferzellen. Sie sind Zellen, die im gesunden Gehirn wichtig für die Stützfunktion und Reparaturprozesse sind. Durch genetische Veränderungen verlieren diese Zellen ihre normale Wachstums- und Differenzierungskontrolle, wodurch sie sich ungehindert teilen und das umliegende Hirngewebe infiltrieren können.

Das Glioblastom tritt relativ selten auf, häufig im mittleren bis höheren Lebensalter. Aufgrund des diffusen, infiltrativen Wachstums lässt es sich chirurgisch nie vollständig entfernen. Hinzu kommt, dass das Glioblastom besonders in hochsensiblen Hirnregionen entsteht, in denen bereits kleine Volumenveränderungen zu neurologischen Ausfällen, kognitiven Einschränkungen, Krampfanfällen oder Persönlichkeitsveränderungen führen können. Trotz aktueller Forschung und multimodalen Therapieansätzen bleibt das Glioblastom ein Hirntumor, der mit einer insgesamt ungünstigen Prognose verbunden ist.

Prof. Dr. med. Dipl.-Med. Holger Wehner

Ein Glioblastom erfordert ein umfassendes und individuell abgestimmtes Therapiekonzept. Die Kombination aus modernen onkologischen Verfahren und unterstützenden Ansätzen wie der Hyperthermie kann dazu beitragen, den Organismus zu stärken und die Lebensqualität zu fördern.

Glioblastom Ursachen & Risikofaktoren

In den meisten Fällen lässt sich die genaue Ursache für die Entstehung eines Glioblastoms nicht klar ausmachen. Vielmehr führen genetische Veränderungen, die sich im Laufe der Zeit in bestimmten Vorläuferzellen ansammeln, zur Entartung der Zellen. Betroffen sind vor allem Gene, die Zellwachstum, Zellteilung, DNA-Reparatur und den programmierten Zelltod steuern. Wenn diese Kontrollmechanismen wegfallen, können sich die Zellen nicht nur ungehindert vermehren, vielmehr besitzen sie auch die Fähigkeit, neue Gefässe zur eigenen Nährstoffversorgung zu bilden und das umliegende Gewebe zu infiltrieren. So entwickelt sich allmählich das klinisch manifeste Glioblastom.

Obwohl keine genauen Ursachen bekannt sind, gibt es jedoch Risikokonstellationen, die nachweislich das Risiko für die Entstehung eines Glioblastoms/Glioms begünstigen:

  • Frühere hochdosierte Bestrahlungen des Kopfes, beispielsweise im Rahmen einer Strahlentherapie
  • Erbliche Tumor- und DNA-Reparatursyndrome, wie das Li-Fraumeni-Syndrom, Turcot-Syndrom oder die Neurofibromatose Typ 1
  • Höheres Lebensalter
  • Männliche Geschlecht

Diese Risikokonstellationen lassen sich jedoch nur auf einen kleinen Teil der Erkrankungen übertragen. In den meisten Fällen liegt keine bekannte erbliche Vorbelastung oder vorangegangene Kopfbestrahlung vor. Es handelt sich meist um eine Kombination aus spontanen, altersbedingten DNA-Schäden und individuellen Faktoren.

Symptome Glioblastome

Glioblastome dringen meist diffus in das umliegende Gewebe des Gehirns ein und breiten sich diffus, ohne klar abgrenzbare Ränder, aus. Die Symptome entstehen dabei nicht nur durch den Tumor selbst, sondern massgeblich auch durch das begleitende Hirnödem. Besonders das Ödem, das sich oft um den Tumor herum bildet, übt dabei Druck auf das Gehirn aus. Welche Beschwerden auftreten, hängt vor allem von der genauen Lokalisation, dem Wachstumsverhalten und der Grösse zum Zeitpunkt der Diagnose ab. Viele erste Anzeichen sind oftmals eher unspezifisch.

Typische Symptome, die bei einem Glioblastom auftreten können, sind:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen, vor allem morgens oder zusammen mit Kopfschmerzen
  • Epileptische Anfälle
  • Neurologische Ausfälle, wie Lähmungen oder Schwäche der Extremitäten, Taubheitsgefühle, Koordinationsstörungen oder Gleichgewichtsprobleme
  • Sehstörungen wie Gesichtsfeldausfälle oder Doppelbilder
  • Sprachstörungen
  • Veränderungen von Persönlichkeit und Verhalten
  • Kognitive Störungen
  • Starke Müdigkeit und Leistungsknick
  • Benommenheit oder Schwindel

Diese Symptome können einzeln oder in Kombination auftreten und im Verlauf an Intensität zunehmen. Wichtig ist es dabei, besonders typische Warnzeichen, die auf strukturelle Erkrankungen des Gehirns hindeuten, ernst zu nehmen. Besonders sollte auf plötzlich neu auftretende Kopfschmerzen in Kombination mit Übelkeit oder Erbrechen, erstmalige epileptische Anfälle oder deutliche Veränderungen der Persönlichkeit geachtet werden. Auch kann es zu Veränderungen der kognitiven Fähigkeiten über Wochen hinweg kommen.

Nicht jedes dieser Symptome muss automatisch bedeuten, dass ein Glioblastom die Ursache ist. Entscheidend ist jedoch, dass neu auftretende, anhaltende oder sich rasch verschlechternde neurologische Symptome immer ärztlich abgeklärt werden sollten.

Glioblastom Diagnose

Die Diagnose des Glioblastoms basiert in der Regel auf einer klinischen Untersuchung, Bildgebung und der pathologischen Sicherung des Tumors mittels einer Biopsie. Meist entsteht der Verdacht auf ein Glioblastom aufgrund der typischen Anzeichen, wie neu auftretende Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, neurologische Ausfälle oder kognitive Veränderungen. Daraufhin wird mittels Bildgebung, wie dem MRT mit Kontrastmittel, der Tumor nachgewiesen. Typischerweise zeigt sich ein unregelmässig begrenzter, häufig ringförmig kontrastmittelaufnehmender Tumor mit zentralen Nekrosen, umgeben von einem Hirnödem. Besonders dieses Ödem ist mitverantwortlich für die Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder fokale Ausfälle. Mittels der MRT-Bilder kann die genaue Lokalisation und die Ausdehnung des Tumors ermittelt werden.

Die endgültige Diagnose kann jedoch nur durch eine neuropathologische Untersuchung gestellt werden. Hierbei wird im Rahmen der operativen Entfernung des Tumors oder durch eine Biopsie bei hohen operativen Risiken das Gewebe unter dem Mikroskop beurteilt. Es werden vor allem Zellen, Teilungsaktivität, Nekrosen und Gefässveränderungen untersucht, um so ein hochgradiges Gliom zu bestätigen. Ergänzend werden heutzutage fast immer molekulare Marker mitbestimmt, wie der IDH-Status oder die MGMT-Promotor-Methylierung, um das Glioblastom nach aktueller WHO-Klassifikation eindeutig einordnen zu können und die Prognose sowie genaue Therapieplanung zu bestimmen.

Je nach Lage und Komplexität des Tumors können zusätzlich auch Verfahren wie ein funktionelles MRT oder die Diffusions-Tensor-Bildgebung eingesetzt werden, um die Lage der Zentren für Sprache und Motorik sowie Nervenbahnen vor einer Operation möglichst genau zu bestimmen.

Glioblastom Behandlung & Prognose

Die Behandlung des Glioblastoms richtet sich in der Regel nach einem multimodalen Konzept, bei dem verschiedene Ansätze und Therapien miteinander verbunden werden. Im Vordergrund steht dabei vor allem die chirurgische Resektion. Wenn die Lage des Tumors und der neurologische Zustand eine Operation ermöglichen, wird versucht, so viel Tumorgewebe wie möglich zu entfernen, ohne dabei wichtige neurologische Funktionen wie Sprache, Motorik oder Sehen zu beeinträchtigen. Mittels moderner Verfahren, wie der Neuronavigation, intraoperatives Monitoring oder in spezifischen Fällen Wachoperationen kann eine möglichst maximale und zugleich sichere Resektion ermöglicht werden. Aufgrund des diffusen und infiltrativen Wachstums des Glioblastoms ist eine vollständige Entfernung nicht möglich. Dennoch kann die Reduktion des Tumorgewebes die Symptome verbessern und auch günstigere Umstände für die Bestrahlung schaffen.

Anschliessend an eine Operation folgt in der Regel eine kombinierte  Strahlen- und Chemotherapie. Dabei wird über mehrere Wochen hinweg der Tumorbereich gezielt bestrahlt. Parallel und im Anschluss zur Bestrahlung wird ein Chemotherapeutikum verabreicht, das die Teilungsfähigkeit der Tumorzellen zusätzlich hemmt. Bei bestimmten Fällen können nach Abschluss der Radiochemotherapie zusätzlich sogenannte Tumortherapiefelder eingesetzt werden. Dabei wird über auf der Kopfhaut angebrachte Elektroden ein schwaches, wechselndes elektrisches Feld erzeugt, das die Zellteilung der Tumorzellen stören soll. Bei Rückfällen, die bei einem Glioblastom häufig sind, können alternativ eine erneute Bestrahlung, verschiedene Chemotherapieschemata, der erneute Einsatz von Tumortherapiefeldern oder in speziellen Fällen auch zielgerichtete Therapien infrage kommen. Trotz der intensiven Behandlungsmöglichkeiten bleibt das Glioblastom eine Erkrankung mit insgesamt schlechter Prognose.

Auch werden zeitgleich neben der schulmedizinischen Behandlung unterstützend komplementärmedizinische Verfahren eingesetzt. Besonders gut untersucht sind vor allem psychoonkologische Begleitung, Bewegungstherapie oder Qigong, sie können Angst, Stress und das subjektive Erleben verbessern. Auch die Akupunktur wird zusätzlich zur Linderung von Übelkeit, Schmerzen, Fatigue oder auch Schlafstörungen eingesetzt.

Ein weiterer wichtiger Ansatz in der ganzheitlichen Behandlung des Glioblastoms ist die lokale tiefenwirksame Hyperthermie. Durch gezieltes Erwärmen des Tumorgewebes kann dieses direkt geschädigt und empfindlicher für Bestrahlung oder Chemotherapie gemacht werden. Auch in präklinischen und klinischen Studien konnte durch die intravenöse Verabreichung von hochdosierten Antioxidantien, wie Vitamin C, eine schädigende Wirkung auf die Krebszellen nachgewiesen werden. Durch eine orale Einnahme, auch in hohen Dosen, konnte die Wirkung jedoch nicht nachgewiesen werden, da die Aufnahme über den Darm begrenzt ist.  

Ein weiterer Ansatz ist die ketogene Diät, da die Glioblastomzellen stark auf Glukose als Energiequelle angewiesen sind. Eine fettreiche und zugleich kohlenhydratarme Diät kann den Blutzuckerspiegel senken und so das Tumorwachstum potentiell verlangsamen. Zudem konnte eine Wirkung von Resveratrol auf Glioblastomzellen in präklinischen Untersuchungen gezeigt werden. Resveratrol konnte dabei die Wirksamkeit der Chemotherapie verstärken und auch in Kombination mit Kupfer  die Tumoraggressivität reduzieren.

Die Grundlage der Therapie ist somit die Kombination aus einer sicheren Operation, Strahlen- und Chemotherapie sowie gegebenenfalls weiteren spezialisierten Verfahren. Ganzheitliche Ansätze können dabei helfen, diese intensive Behandlung besser zu bewältigen, Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Dr. med. Karsten Ostermann M.A.

Bei einem Glioblastom sollten alle verfügbaren Behandlungsoptionen sorgfältig geprüft und auf die individuelle Situation abgestimmt werden. Ein integrativer Ansatz mit interdisziplinärer Begleitung kann helfen, Therapieziele und Lebensqualität bestmöglich zu unterstützen.

Dr. Karsten Ostermann

Weiterführende Informationen

Die aufgelisteten Informationen beinhalten relevante Themen und dienen dem besseren Verständnis.